Die Entwicklung eigener Krebsmedikamente in Polen kann dazu beitragen, die Abhängigkeit von Importen zu verringern und Patienten vor unerwarteten Therapieunterbrechungen zu schützen. Gleichzeitig eröffnet die Entwicklung von Generika die Möglichkeit, die Behandlung schwerer Erkrankungen – wie des nicht-kleinzelligen Lungenkrebses – deutlich kostengünstiger zu gestalten.
Ein solches Medikament wird derzeit vom Pharmazeutischen Institut in Zusammenarbeit mit dem Unternehmen Polfa Production S.A. entwickelt.
HINTERGRUND UND BEDEUTUNG
Lungenkrebs ist weltweit eine der häufigsten Krebserkrankungen und die häufigste krebsbedingte Todesursache bei Männern.
In Polen wurden im Jahr 2010 fast 21.000 neue Fälle diagnostiziert, davon rund 15.000 bei Männern und über 6.000 bei Frauen. Männer erkranken etwa dreimal so häufig wie Frauen. Die meisten Erkrankungen treten nach dem 50. Lebensjahr auf, wobei etwa die Hälfte der Patienten älter als 65 Jahre ist.
Die Erkrankungsrate in Polen liegt über dem Durchschnitt der Europäischen Union.
ENTWICKLUNG DES MEDIKAMENTS
Das entwickelte Präparat ist ein Generikum eines Medikaments, das den Wirkstoff Erlotinib enthält – einen Proteinkinase-Inhibitor, der unter anderem bei metastasiertem nicht-kleinzelligem Lungenkrebs sowie in bestimmten Fällen auch bei Bauchspeicheldrüsenkrebs eingesetzt wird.
Die Dosierung solcher Medikamente hängt vom Körpergewicht des Patienten ab. Die durchschnittliche Tagesdosis beträgt etwa 150 mg. Eine Packung enthält 30 Tabletten mit jeweils 25 mg Wirkstoff und reicht für etwa fünf Tage Therapie.
KOSTEN UND VERFÜGBARKEIT
Der Preis einer solchen Packung liegt derzeit bei etwa 2.000 PLN und wird den Patienten erstattet.
Nach Ablauf des Patentschutzes für das Originalpräparat und der Einführung eines Generikums sinken die Preise in der Regel um 30 bis 40 Prozent. Zusätzlich wird die Preisgestaltung durch den Wettbewerb zwischen Herstellern beeinflusst.
BEDEUTUNG FÜR DEN POLNISCHEN MARKT
In Polen werden nur wenige Krebsmedikamente produziert – der Großteil wird importiert. Aus diesem Grund hat das Nationale Zentrum für Forschung und Entwicklung (NCBR) die Arbeiten an einem polnischen Äquivalent eines Lungenkrebsmedikaments finanziell unterstützt.
In der Vergangenheit kam es zu Engpässen bei der Versorgung mit Krebsmedikamenten, da Hersteller ihre Produkte bevorzugt in Märkten mit höheren Preisen anbieten. Auch Parallelimporte können die Verfügbarkeit auf dem heimischen Markt einschränken.
Die Entwicklung und Produktion eigener Medikamente in Polen kann daher die Versorgungssicherheit deutlich verbessern.
Autor: POLNISCHES MEDIKAMENT GEGEN LUNGENKREBS 02.06.2015
